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Trubel an allen Fronten

In den letzten Tagen war bei uns ordentlich was los: Wir haben zwei Geburtstage gefeiert, vier Kuchen gebacken, das Geschlecht unseres vierten Kindes erfahren, einen kranken Herrn Wissenschaftler gerade rechtzeitig zu seiner Geburtstagsparty wieder gesundgepflegt, einen Tag nach der Party gleich das nächste kranke Kind zuhause behalten und dazu so einige Diskussionen am Esstisch ausgefochten.

Aber der Reihe nach:

Dass unser jüngster Spross wieder ein Sohn wird, hatte ich ja vergangenen Mittwoch schon gepostet. Trinchen nahm diese Nachricht sehr glücklich auf und spricht seitdem nur noch von dem „Junge-Baby“, das in meinem Bauch wächst. An diesem Tag der großen Neuigkeit hatte zudem auch der Papa Geburtstag, dem wir gleich zwei Kuchen backten. Einen vertilgten wir beim gemütlichen Kaffeetrinken, und den anderen durfte er am nächsten Tag seinen Kollegen spendieren.

Schon am Tag vorher war der Wissenschaftler mit Halsschmerzen aus der Schule gekommen. Nachdem gerade überall in der Stadt Scharlach herumgeht, sah ich seine 8. Geburtstagsfeier am Samstag schon den Bach hinuntergehen… aber der junge Mann bekam kein Fieber und die Schmerzen wurden nicht sehr viel schlimmer. Trotzdem behielt ich ihn lieber erst einmal einen Tag zuhause, da sein Rachen ordentlich rot war.

Donnerstag hatte unser Trinchen ihren monatlichen Kontrolltermin bei ihrem Kinderrheumatologen in der Klinik, zu dem ich den Wissenschaftler mitnahm. Trinchens Arzt war nämlich so nett, den jungen Mann auch kurz anzusehen und bestätigte, dass der Hals nicht nach einer behandlungsbedürftigen Streptokokken-Infektion aussah und er am Folgetag gerne wieder in die Schule könne. Trinchen machte die üblichen Untersuchungen (Gelenke auf eingeschränkte Beweglichkeit prüfen, Ultraschall aller Gelenke und danach die obligatorische Blutentnahme) gut gelaunt und tapfer mit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sie sich vor dem Pieks in den Arm selbst Mut macht. Dieses Mal flüsterte sie mir vorher zu: „Heute weine ich vielleicht mal kurz, ok, Mama?“, blieb danach aber ganz entspannt. Am Abend bekamen wir dann den Anruf, dass ihre Laborwerte zurzeit besser als je zuvor in den letzten Monaten seien, und dass wir das Ibuprofen mal wieder herunterdosieren können auf zwei Gaben täglich statt drei. Jetzt hoffen wir sehr, dass ihre Werte trotzdem gut bleiben und wir vielleicht in einigen Monaten weiter runtergehen können mit den Medikamenten.

Am Freitag wurde gerade noch rechtzeitig das Geburtstagsgeschenk für den Wissenschaftler geliefert – sein neuer Schreibtisch! Das bedeutete für Papa und mich eine Spätschicht nach dem Zubettgehen der Kinder, denn das gute Möbelstück wollte natürlich zusammengebaut werden… Dreieinhalb Stunden und gefühlte 200 Schrauben später war das Werk aber vollbracht.

Samstag war dann Partytag. Vormittags Geburtstagsfrühstück, dann Bescherung, und es mussten auch noch ein Kuchen und Muffins gebacken sowie kleine Mitgebe-Tütchen für die Gäste gepackt werden. Schneller als gedacht war es auch schon Zeit, die Ankommenden willkommen zu heißen. Fünf Jungs hatte der Wissenschaftler eingeladen, dazu natürlich noch seine beiden Geschwister – und auf ging es mit acht Kindern in den Indoorspielplatz. Dort zu feiern, war der sehnlichste Geburtstagswunsch des Wissenschaftlers gewesen. Vor Ort lief dann alles sehr entspannt, die Kids hatten Spaß und es gab keine Verletzungen. Abends dann noch mal eben drei Kinder duschen, und um halb neun fielen wir Eltern zeitgleich mit den Kindern ins Bett.

Sonntag sollte eigentlich ein entspannter Tag werden, aber schon am Vormittag fing das Trinchen leider an zu fiebern. Wahrscheinlich hatte sie sich den Infekt ihres großen Bruders eingefangen. Und da sie immunsupprimiert ist, kam es bei ihr wie so oft etwas heftiger mit ordentlich hoher Temperatur. Die kleine Maus blieb aber gut gelaunt, hatte eine erholsame Nacht, war aber heute morgen schon wieder warm, bis ihre Vormittagsdosis Ibuprofen wirkte. Natürlich blieb sie heute zuhause, genoss das „Kranken-Privileg“ (zwei Runden „Teletubbies“ auf der Couch eingekuschelt) und hielt sogar ausnahmsweise brav einen Mittagsschlaf. Leider hatte sie danach erneut Fieber, so dass sie morgen auch nicht zur heiß ersehnten Kindergarten-Faschingsparty gehen kann. Das tut mir echt Leid für unsere kleine Maus, sie hatte sich so aufs Kostümieren als Fee gefreut… dann müssen wir uns überlegen, wie wir das irgendwie „nachholen“ können.

Jetzt hoffen wir aber erst einmal sehr, dass sie nicht mehr lange weiterfiebert, da hohes Fieber immer wieder ein Risiko für einen Rheumaschub mit sich bringt. Das wäre angesichts der guten Blutwerte von letzter Woche doppelt ärgerlich.

Immerhin haben wir bei der Großbaustelle „Ernährungsumstellung“ ein paar Fortschritte gemacht. Mittlerweile gibt es nicht mehr jeden Tag das gewohnte und von den Kindern heiß geliebte Müsli, sondern auch einmal Obst, Eier in verschiedenen Varianten, getreidefreie Pancakes mit Blaubeeren, milchfreie Smoothies oder andere neue Rezepte. Die meisten kommen einigermaßen gut an. Bei den Hauptmahlzeiten sieht es dagegen sehr wechselhaft aus. Manche Dinge, die die Kinder auch vorher schon gerne mochten, lassen sich ein wenig variieren und werden dann gerne gegessen. Auch in Spaghettiform geschnittene Zucchini konnte ich den dreien letztens als Nudelersatz unterjubeln. Aber bei vielen neuen Gerichten gibt es lange Gesichter und viele Diskussionen. Im Grunde bin ich aber ganz zufrieden mit den Fortschritten – denn auch für mich ist es eine ordentliche Umstellung, soviel mehr in der Küche zu stehen und alles, aber auch alles frisch zu kochen oder zu backen. Keine Nudeln, kein Reis, keine Fertigprodukte, kein Brot oder sonstige Backwaren – das schränkt schon ganz schön ein. Aber es macht auch viel Spaß, neue Gerichte auszuprobieren.

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Kontaminierte Gummibärchen und mitleidige Blicke

Heute durfte ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Mit drei Kindern zum Arzt. Leider nicht zum Kinderarzt… dort warten ja viele Spielsachen, verständnisvolle Arzthelferinnen und neben meinen eigenen auch andere Quellen lauten Geschreis Kinder, so dass ein Besuch dort eigentlich meist recht locker abläuft.

Nein, dieses Mal suchte ich mit meiner Bande eine elegante Hautarztpraxis heim. Die Spielverabredung für Herrn Mittelpunkt und das Trinchen war kurzfristig geplatzt, so dass sie ihren großen Bruder zu seinem Termin begleiten mussten. Mit großen Augen versprachen mir die drei noch draußen vor der Praxis, drinnen auch „gaaaanz lieb“ zu sein. Dermaßen motiviert, trat ich mit ihnen ein.

Während wir noch am Tresen anstanden, verkündete das Trinchen auch schon: „Ich muss Pipi machen!“. Also schnell Jacken aus und mit allen Kindern auf die Toilette – das hat wenigstens den Vorteil, dass man weniger Zeit im Wartezimmer verbringen muss. Ein Blick aus dem Augenwinkel hatte mir gezeigt, dass dort nur einzelne, ruhig lesende Erwachsene saßen.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Kaum im Wartezimmer angekommen, begannen sich meine beiden verlässlichen Streithähne (Trinchen und Herr Mittelpunkt) laut um einen ganz bestimmten Stuhl zu streiten („Ich war hier zuerst!“ – „Nein, ich!“ – „Aber ich bin größer!“ – „Und ich hab Zöpfe!“). Sämtliche zunächst mit freundlicher, dann sehr bestimmter Stimme geäußerten Schlichtungsversuche prallten wirkungslos an den beiden ab, so dass ich das Trinchen auf meinen Schoß zwingen musste. Dies quittierte sie unter den teils mitleidigen, teils amüsierten Blicken der Mitwartenden auch umgehend mit einem durchdringenden „Mama, du bist blöd!“, was den Zuschauern wohl endgültig die Zweifel an der mangelnden Erziehung meiner Kinder nahm. Da weder Kinderbücher noch kindgerechte Zeitschriften aufzutreiben waren, durften die drei mit meinem einen Iphone spielen. Drei Kinder, ein Iphone. „Ich bin dran!“ – „Du warst vorhin aber länger!“ – „Ich will jetzt auch mal, Mama!“ Wenigstens sank die Lautstärke nun etwas, und die Mitwartenden widmeten sich wieder ihrer Lektüre.

Ungefähr zehn Stunden Minuten später wurden wir endlich aufgerufen. Während ich versuchte, mit der Ärztin ein kurzes Anamnesegespräch zu führen (der Wissenschaftler hat hartnäckige Warzen unter den Zehen, die sich allen Selbsttherapieversuchen widersetzen und ihn beim Laufen stören), hielt ich mit einer Hand das Trinchen davon ab, sich auf den Stuhl neben mir zu stellen und zischte Herrn Mittelpunkt zu, nicht zu seinem Bruder auf die Liege zu klettern.

Anschließend durften wir in einem Behandlungsraum noch eine Ewigkeit auf eine Arzthelferin warten, die die Abtragung und Vereisung durchführen sollte. Und wieder einmal war ich erstaunt, mit wie viel Kreativität mein Nachwuchs selbst in engsten Räumen ungeeignete Spielsachen findet: der Wissenschaftler und das Trinchen erkundeten hingebungsvoll einen Mülleimer, der zugegebenermaßen einen interessanten Öffnungsmechanismus hatte, aber dennoch mit ekligen Pflastern und Tupfern der vorher Behandelten gefüllt war. Während ich die beiden davon abhielt, ihn weiter anzufassen, hatte Herr Mittelpunkt auch schon eine Armstütze eines Behandlungsstuhls abgeschraubt. Es half auch nicht, dass der Behandlungsraum mehrere nur durch Stellwände abgeteilte Behandlungsstühle besaß, auf denen teilweise auch Leute warteten oder behandelt wurden, und die die Audioversion unseres Theaters live mitbekamen. Wer lauter war – die kichernden Kinder oder die zurechtweisende Mama, kann ich Gottseidank nicht beurteilen.

Doch auch der quälendste Termin naht irgendwann seinem Ende. Erstbehandlung geschafft. Auf die rhetorische Frage „Möchten die Kinder noch Gummibärchen?“ folgten strahlende Kinderaugen und glückliches Kauen – bis das erste rote Tierchen aus einer speckigen kleinen Hand hinunterfiel und ich Trinchen gerade noch daran hindern konnte, es vom Boden einer Arztpraxis (igitt!) aufzulesen und wieder in den Mund zu stecken.

Mit welchem Schreipegel wir die Praxis dann verließen, kann man sich ausmalen.

Ich freue mich schon auf den Kontrolltermin!