Nummer Vier schafft sich ein Plätzchen

Vier Jahre ist es schon her, dass ich das letzte Mal schwanger war – und so viele Gefühle und Erlebnisse dieser besonderen Lebensphase hatte ich schon vergessen. Umso schöner ist es jetzt, mich wieder darauf einlassen zu dürfen: wie ein neuer, kleiner, werdender Mensch Stück für Stück seinen Platz in unserer Familie findet.

Als ich Anfang Dezember nach nur einem „Versuch“ gleich einen positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war ich zunächst einmal geschockt: Aus dem leisen Herzenswunsch, dem unser Verstand viele rationale Argumente entgegengesetzt hatte, war ganz plötzlich und schon beim ersten Versuch Realität geworden. Während sich Papa hoch vier sofort riesig freute, überwogen bei mir zunächst die Sorgen: Werden wir es schaffen, vier Kindern gerecht zu werden? Wie stemmen wir die Alltagslogistik – Kindergarten, Schule, Verabredungen, Sport, Musik, Arzttermine, Krankenhausaufenthalte? Wie machen wir das mit den Kinderzimmern? Brauchen wir ein neues Auto? Schaffen wir es auch mit Ende 30, wieder jahrelang mit wenig wenig Schlaf, dafür aber vielen Windelwechseln zurechtzukommen? Können wir vier Kindern ein schönes Leben ermöglichen?

Wir schienen uns gerade so richtig gut mit drei Kindern eingewöhnt zu haben: Trinchen war, wie man so schön sagt, „aus dem Gröbsten raus“. Seit über einem halben Jahr windelfrei, und erst seit wenigen Monaten eine kleine Durchschläferin. Zieht sich alleine an, keine Wickeltasche mehr, kein Kinderwagen – alles war so einfach geworden. Ich hatte angefangen, mich nach Jobs umzusehen, um nach vier Jahren zuhause langsam wieder einen Einstieg in „richtige Arbeit“ zu finden.

Und jetzt? Mit dem positiven Test in der Hand und der schon Tage später einsetzenden Übelkeit schienen die Gründe, warum wir uns ein viertes Kind gewünscht hatten, erst einmal weit weg gerückt zu sein, überlagert von den Sorgen und unbeantworteten Fragen.

Und dann begann es.

Der erste Ultraschall bei 6+2. Ein kleiner Punkt, nur Millimeter groß, aber mit pochendem Herzchen.

Erster Tag mit Umstandshose bei 9+5. Das letzte Mal hatte ich mich in diese Jeans mit Trinchen-9-Monats-Bauch gezwängt und sie danach sorgsam weggepackt – falls ich sie doch vielleicht noch einmal für eine weitere Schwangerschaft brauche… und jetzt darf ich sie tatsächlich wieder tragen!

Ultraschalltermin mit Papa bei 10+4: Aus dem kleinen Punkt ist ein strampelndes, winkendes, zappelndes, deutlich erkennbares Baby geworden. Unser Baby. Unser kleines Baby!

FA-Termin zum Abschluss des ersten Trimesters bei 12+2: Die kleine Maus ist fast doppelt so groß wie vor zwei Wochen und bewegt sich munter. Ich verlasse die Praxis voller Vorfreude – endlich können wir es den Kindern erzählen! Strahlendes Geschwisterglück.

Der Bauch wächst und rundet sich. Jeden Morgen und Abend liege ich auf dem Sofa und spüre nach Bewegungen, auch wenn es dafür noch zu früh ist. Melde dich, Baby, ich bin so neugierig auf deine kleinen Stupser!

13+3: Gerade noch rechtzeitig telefoniere ich der Empfehlung einer Freundin nach und buche eine Beleghebamme für die Entbindung. Nächste Woche werde ich sie treffen. Entbindung!! Erinnerungen an dreimal Wehen, Pressen und unbeschreibliches Glück werden wach.

13+4: Mein erster Kauf für Baby Nummer Vier: ein Stubenwagen. Leider hatten wir unseren eigenen nach dem dritten Kind verkauft, daher musste ein neuer her. Dem günstigen Angebot einer Online-Kleinanzeige konnte ich nicht widerstehen – jetzt steht ein wunderschöner Wagen in unserem Gästezimmer. Wie in der ersten Schwangerschaft auch schaue ich immer wieder hin – wenn alles gutgeht, wird darin bald unsere Maus liegen!

13+5: Wir sehen mit den Kindern zwei Stunden lang Fotos und Videos aus ihrer Babyzeit an. Wie groß sie geworden sind! Und wie unendlich schön, dass wir, wenn alles gutgeht, diesen Zauber der ersten Zeit noch ein weiteres Mal erleben dürfen!

Und auf einmal ist es wieder passiert.

Ganz leise hat dieser kleine, gerade mal zehn Zentimeter lange Mensch sich schon jetzt sein Plätzchen in unserer Familie geschaffen. Aus Sorge und Schreck in den ersten Schwangerschaftswochen ist zufriedenes Glück und ungeduldige Vorfreude geworden.

Sorgen? Vielleicht irgendwo im Hintergrund. Aber nun eher in der Art, wie man sich immer ein wenig Sorgen um das Wohl seiner Kinder macht, auch wenn sie schon lange auf der Welt sind. Sorgen, dass wir es nicht schaffen könnten – die gibt es nicht mehr.

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2 Gedanken zu “Nummer Vier schafft sich ein Plätzchen

  1. Ich bewundere Euch 🙂 . Ich bewundere sowieso alle Eltern mit „vielen“ Kindern. Hier läuft es mit dem einen super – aber schon bei nem zweiten würde ich mir Gedanken um die ganze Logistik machen. Wie muss das dann erst mit vieren sein? 😉 (Das heißt nicht, dass ich mir kein zweites wünsche, das wäre super, aber mehr kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Meine Nerven ;-))

    Ich wünsch Euch ganz viel Glück! das hört sich doch toll an!

    • Danke schön!
      Ehrlich gesagt, ging es mir bei der Überlegung „Zweites Kind“ genau wie dir. Die Umstellung von „kein Kind“ auf „ein Kind“ und die damit verbundenen Veränderungen in Alltag und eigenem Nervenkostüm war so gigantisch, dass ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen konnte, wie man das Leben mit zwei Kindern organisieren soll. Als sich Nummer Zwei dann recht flott ankündigte, waren wir auch erstmal besorgt. Aber irgendwie wächst man dann einfach in die neue Situation hinein, und hinterher scheint es so, als sei man schon immer zu viert gewesen. 🙂
      Womit ich nicht sagen will, dass zwei Kinder an manchen Tagen tatsächlich doppelt soviel nerven können wie eines 😉

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